09.22

Wenn das Arschgeweih aus dem Bikini guckt, ist das heute vielen nur noch peinlich. Der Geschmack wechselt, das Tattoo bleibt – und wird vom Körperschmuck zum Ärgernis. Denn Tattoos wieder entfernen zu lassen, ist auch mit modernsten Geräten eine mühselige und nicht immer befriedigende Angelegenheit. «Eine schonungslose und ehrliche Aufklärung vor der Behandlung ist unbedingt notwendig», sagt der Arzt Wolfgang Thürlimann, der in Zürich eine Laserpraxis führt.
Tattoos werden mit dem sogenannten q-switched-Laser behandelt. Die ultrakurzen, aber sehr starken Impulse bewirken Mikroexplosionen der Farbpigmente. Ein gelbes Schild mit Gefahrensymbol warnt vor dem Betreten des Behandlungszimmers während der Laserbehandlungen. Thürlimann drückt seinem Patienten eine Spezialbrille mit türkisgrünen Gläsern in die Hand. Patrick Müller*, ein junger, kräftiger Mann, ist nicht zum ersten Mal hier. Er kennt die Prozedur. 90 Minuten zuvor hat er sich den rechten Unterarm mit Betäubungscreme eingestrichen und dick eingebunden. Als Thürlimann den Verband löst, kommt das Gesicht eines bärtigen Monsters zum Vorschein. Das Tattoo habe er sich vor sieben, acht Jahren stechen lassen, sagt Müller, und es sei auch gewollt gewesen. «Zum Motiv hat mich aber der Tätowierer überredet, und am Ende war es mir zu düster – es war schon nicht ganz mein Stil.»
Nachfrage nimmt zu
Nach zehn Behandlungen ist der Bärtige bereits etwas verblasst. Thürlimann zeigt Vorher-Nachher-Aufnahmen, die er bei jedem Patienten macht. Je nach Grösse des Tattoos, Menge der Tinte und Tiefe der Stiche kann eine Entfernung bis zu acht Sitzungen dauern. Dazwischen sollte sich die Haut sechs Wochen erholen. «Die Nachfrage nach Tattoo-Entfernungen nimmt seit circa vier Jahren stetig zu», sagt Thürlimann. Etwa zwölf Patienten pro Woche kämen extra dafür in die Laserpraxis. Mittlerweile könnten ganz gute Resultate erzielt werden, fährt er weiter und zeigt das Foto eines Oberarms nach der Behandlung. Vom ursprünglichen Motiv, einer Raubkatze mit gebleckten Zähnen, sind nur ganz leichte Schatten übrig geblieben.
Beste Lösung
«Der Patient selbst wird immer etwas sehen», sagt Thürlimann, «aber wer es nicht weiss, merkt in der Regel nichts.» Mit dem Laser sei auch die Gefahr der Narbenbildung gering. «Von allen Methoden zur Tattooentfernung ist der Laser sicher die beste. Ausser, es handelt sich um ganz kleine Tattoos – dort ist das chirurgische Herausschneiden sicher die einfachere und kostengünstigere Lösung.» Behandlungen mit Säure oder das Abschleifen der Haut empfiehlt Thürlimann hingegen niemandem.
Patrick Müller setzt sich und legt den Unterarm auf die Behandlungsliege. Daneben liegt ein Kühlbeutel bereit. «Geht es so?», fragt der Arzt; er nickt. Sorgsam fährt Thürlimann mit dem roten Metallrohr über das Tattoo. In kurzen Abständen feuert der Laser Schüsse ab. Überall, wo der rote Punkt auf die Haut trifft, bilden sich kleine, weisse Erhebungen, wie Mückenstiche. «Ohne Betäubungscreme würde es viel mehr weh tun», so Müller. Bis zu 24 Stunden nach der Behandlung schmerze die Stelle noch. Weil das Tattoo mit schwarzer Farbe gestochen worden ist, kann er sich auf ein gutes Resultat freuen. «Schwarz geht ganz klar am besten weg», weiss Thürlimann. Auch rot und grün seien kein Problem. «Schwierig sind gelbe und orange Tattoos – oder Leuchtfarben, die sind ganz schlimm.»
Je nachdem bewegen sich auch die Kosten pro Sitzung zwischen 150 und 600 Franken. Müller rechnet mit etwa 5000 bis 6000 Franken für den gesamten Unterarm; dafür macht er Überstunden und hat einen Nebenjob angenommen. Die Praxisassistentin bringt jetzt weisse Stoffquadrate, streicht sie mit Creme ein und legt sie auf die behandelte Stelle. Dann kommt ein Verband drüber. Ein oder zwei Sitzungen wird Müller noch brauchen. «Dann lasse ich die Stelle überstechen», sagt er, «das ist dann eher für immer – und ich gehe zu einem anderen Tätowierer.»
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