2010
05.23

Biotattoos

ie Kleidchen werden kürzer, die T-Shirts verlieren ihre Ärmelchen und man trägt wieder bauchfrei …

Zeit für ein Tattoo, werden nun viele denken. Und der geneigte exhibitionistische und modebewusste Leser rennt nervös im Zimmer auf und ab und denkt über die Zukunft nach: “Was ist, wenn ich mein Tattoo in ein paar Jahren nicht mehr leiden kann?”, “Gibt es ein Tattoo, welches nach einiger Zeit wieder verschwindet ?”.
Diese Überlegungen waren schon vor langer Zeit der Ausschlag für eine Unsitte, welche viele Namen hat: “Biotattoo”, Temptoo”, “Tattoo auf Zeit”, “Temporärtattoo” … alles Namen für eine

Eine Tätowierung ohne Reue und ohne langes Überlegen, eine Tätowierung, die nach einigen Jahren wieder vollständig verschwindet…..

Wir haben versucht, diesen Mythos zu entlarven …

Bei Lupenvergrößerung zeigt sich, daß die Haut aus zwei Schichten besteht:
Oberhaut (Epidermis) und Lederhaut (Dermis).
Die Epidermis liegt der Dermis auf, beide Schichten sind durch die Basalmembran voneinander getrennt. Die Epidermis liegt der Dermis nicht glatt auf, sondern die Dermis bildet Zapfen, so daß sich eine wellenförmige Trennlinie ergibt. Je mehr mechanischer Belastung ein Hautgebiet unterliegt, desto verzahnter sieht es aus. Dieses System vergrößert die haftende Oberfläche und stellt sicher, daß sich nicht schon bei geringer Belastung die Epidermis von der Dermis löst. Lichtmikroskopisch kann man an der Epidermis weitere Schichten ausmachen (von der Basalmembran zur Oberfläche):

Basalschicht (Stratum basale)
Hier findet die Zellteilung statt. Eine Zelle dieser Schicht teilt sich so in ihrer Querachse, daß eine Tochterzelle komplett auf der Basalmembran verbleibt. Die andere Tochterzelle hat weniger Kontakt mit der Basalmembran und nach ein paar weiteren Teilungen geht auch der verloren. Diese Tochterzellen werden also durch die nachfolgenden Zellteilungen zur Oberfläche geschoben. Im Verlauf dieser Wanderung machen die Zellen Veränderungen durch, was die Ursache für die Unterscheidung weiterer Schichten im lichtmikroskopischen Bild ist.
Stachelzellschicht (Stratum spinosum)
Die Zellen in dieser Schicht stehen durch stachelförmige Fortsätze miteinander in Verbindung, daher der Name. Hier sieht man erste “Keratohyalinkörner”, Bläschen, die mit dem Vorläufer des Keratins (Hornsubstanz) angefüllt sind.
Körnerschicht (Stratum granulosum)
Diese schmale Schicht (wenige Zellagen), wird bestimmt von den Keratohyalinkörnern (granulum= Körnchen), deren Inhalt von den Zellen ausgeschieden wird und sich zwischen den Zellen verteilt, was dazu führt, daß die Zellen absterben und sich eine Barriere gegen das Austreten von Körperflüssigkeit über Zellzwischenräume bildet. Bis hierhin dringen z.B. Salben vor. In diese Schicht sollen Bio-Tattoo- Pigmente eingebracht werden.
Glanzschicht (Stratum lucidum)
So genannt, weil in dieser Schicht keine einzelnen Zellen unterschieden werden können und die Schicht von einer durchscheinenden Masse angefüllt zu sein scheint.
Hornschicht (Stratum corneum)
Hier findet die eigentliche Verhornung statt, indem die Hornzellen mit Keratin verbacken. Die so gebildeten Hornschuppen werden schließlich an der Hautoberfläche abgestoßen.

Ein Zellzyklus von der Teilung der Basalzelle bis zur abgestoßenen Hornschuppe dauert ca. 30 Tage. Die Epidermis ist je nach Körperstelle 0,04- 0,2 mm dick (in Schwielen bis 2 mm).
Zum Vergleich:
Punkte am Ende eines Satzes sind je nach Schriftgröße 0,3-0,5 mm dick. Nun wird klar, warum Biotattoos nicht funktionieren können: Eine Hautschicht, die sich alle 3-7 Jahre erneuert, gibt es nicht! Außerdem ist es sicher nicht möglich, derart präzise zu arbeiten, daß lediglich die Körnerschicht getroffen wird, schon gar nicht, wenn teilweise nur einzelne Zellagen darunter die Dermis beginnt. Die Dermis unterliegt keiner regelmäßigen Erneuerung, hier werden lediglich einzelne Zellen bei Bedarf ersetzt.

Die Realität gibt uns recht:

Biotattoo-Pigmente werden teilweise unter der Basalschicht und in der Dermis abgesetzt (wie auch die Pigmente bei richtigen Tattoos) und bleiben somit dauerhaft implantiert. Die Pigmente, die tatsächlich in den höherliegenden Schichten landen, sind nach 4-6 Wochen herausgewachsen, was zu einer fleckigen Optik des Biotattoos führt.

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